Zum bereits fünften Mal wurde in diesem Jahr der Polizei.Akademie.Award ausgelobt. Auch in diesem Jahr lag die Schirmherrschaft bei unserem Innneminister Boris Pistorius. Corona bedingt war der Rahmen der Verleihung ein anderer als in den vergangenen Jahren, trotzdem war es nicht weniger feierlich und ein Ausdruck der Wertschätzung gegenüber allen Studierenden, die in den vergangenen Monaten ihre Bachelorarbeiten geschrieben haben.
Der Polizeihauptpersonalrat hatte sich nach der erstmaligen Ausschreibung des Sonderpreises des PHPR auch in diesem Jahr zu einer erneuten Ausschreibung entschlossen, so dass wiederum zwei „Kategorien“ zu vergeben waren. Nachfolgend die siegreichen Arbeiten:
1.Platz
PKA Marius Jan Haypeter; „Rechte Hasspostings im digitalen Raum“; Erstbetreuer: KHK Eric Polter; Zweitbetreuer: KOR Savas Gel, PD Hannover.
In seiner Bachelorarbeit befasst sich der Verfasser mit der Gefährdung toleranter und demokratischer Gesellschaften durch Rechtsextremismus im Zusammenhang mit den sich durch das Internet ergebenden Einflussmöglichkeiten. Geschwindigkeit, Verbreitungsraum und -formen eröffnen diesem Extremismus neue, wirksame Aktionsmöglichkeiten. Herr Haypeter zeigt in seinem Werk konkret auf, mit welchen subtilen Mitteln und Methoden rechte Netzwerkaktivisten gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung und damit gegen den Staat an sich vorgehen. Die Ausführungen werden konkret durch die detaillierte Darstellung des Beispielfalls der „Reconquista Germanica“ untermauert, einem erstmals vor der Bundestagswahl 2017 in Erscheinung getretenen verdeckt operierenden rechtsextremen Netzwerk, welches gezielt Online-Attacken – u.a. in Form von Hasspostings – auf politische Gegner, Medien und Institutionen initiierte und steuerte. Bei einem der Opfer handelte es sich um einen renommierten und mehrfach ausgezeichneten Journalisten der Wochenzeitung „Die Zeit“, der zu dieser zwischenzeitlich verbotenen Vereinigung investigativ recherchierte.
2.Platz
PKAin Chirstin Ratzlaff; „Kinder als Opfer sexueller Gewalt – Die Bedeutung von strukturierten Vernehmungstechniken bei der Befragung von Kindern“; Erstbetreuer: Prof. a.d. PA Dr. Bernd Körber; Zweitbetreuer: EKHK Uwe Bahlmann, PD Lüneburg.
Die Autorin setzt sich in ihrer Bachelorarbeit „Kinder als Opfer sexueller Gewalt – Die Bedeutung von strukturierten Vernehmungstechniken bei der Befragung von Kindern“ auf wissenschaftlich hohem Niveau unter Anwendung eines interdisziplinären Ansatzes mit der Thematik auseinander. Dabei gelang es Frau Ratzlaff aktuelle Forschungsstände verschiedener Disziplinen so zu integrieren, dass wissenschaftlich fundierte Lösungen zur besonderen Bedeutung der kindlichen Vernehmung angeboten werden. Auf diese Weise leistet die Verfasserin einen wichtigen Beitrag zur Lösung der international relevanten Problematik in der Befragung von Kindern, insbesondere von kindlichen (Opfer-) Zeugen, die einerseits im Transfer von Lehr- und Trainingsinhalten in die polizeiliche Praxis liegt und andererseits in zu geringer Praxisnähe.
3. Platz
PKA Manuel Depping; „Polizeibeamte und Polizeibeamtinnen im Blickpunkt der Gesellschaft – Handlungsmöglichkeiten gegen eine potentielle Entwicklung von Fremdenfeindlichkeit in der Polizei“; Erstbetreuer: PHK Thomas Eickhoff; Zweitbetreuer: PHK Ralf Strüber, PD Oldenburg.
Die Bachelorarbeit setzt sich mit der Fragestellung auseinander, ob und unter welchenVoraussetzungen die Gefahr besteht, dass rechtsextremistische, antisemitische sowie fremdenfeindliche Einstellungen in der Polizei Fuß fassen und sich verbreiten können. Der Verfasser geht dabei kritisch und reflektiert auf die aktuelle Situation ein und stellt in gelungener Weise vorliegende Handlungsmöglichkeiten vor, wie die Polizei das demokratische Selbstverständnis wahren und die Widerstandskraft gegen demokratiegefährdende Erscheinungen stärken kann.
Sonderpreis der Personalvertretung
PKAin Charleene Hegemann; „Suizid – Der Polizeiberuf als potentieller Risikofaktor“; Erstbetreuerin: Dr. Hendrikje-Beatrice Grant; Zweitbetreuer: EPHK Fritz-Raimund Schael, PD Hannover.
Die Verfasserin beschäftigt sich in ihrer Bachelorarbeit mit dem Thema „Suizid“. Polizeibeamtinnen und -beamte können intensiv mit dem Tod konfrontiert werden. Damit sind Belastungen verbunden, die die psychische und physische Gesundheit von Polizistinnen und Polizisten nachhaltig beeinträchtigen können. Besonders belastend und dramatisch werden derartige Begegnungen mit dem Tod für die Betroffenen, wenn es sich um den Suizid eines nahestehenden Angehörigen, eines Freundes einer Kollegin oder eines Kollegen handelt. Die Verfasserin wagt in ihrer Arbeit einen konstruktiven Weg der Auseinandersetzung mit der Suizid-Thematik und geht dabei insbesondere auf die Aspekte des Distanzschaffens zum unsagbaren Geschehen und des Sprechens über das Geschehene ein. Aus wissenschaftlicher Sicht gelingt es der Verfasserin in besonderer Weise, die Problematik des Suizids sehr differenziert, einfühlsam und anschaulich zu präsentieren und umfassend, vielseitig, zugleich verständlich und nachvollziehbar mit aktuellen Präventions-und Interventionsmethoden zu verknüpfen.
Ein besonderer Dank gilt der hochkarätigen Jury, bestehend aus
  • dem Landespolizeipräsidenten, Axel Brockmann,
  • der Polizeipräsidentin der ZPD, Christiana Berg,
  • dem Polizeipräsidenten der PD Oldenburg, Johann Kühme,
  • dem Präsidenten des LKA, Friedo de Vries, und
  • dem Vorsitzenden des Polizeihauptpersonalrats, Martin Hellweg,

die die prämierten Bachelorarbeiten auswählten sowie allen Erst- und Zweitbetreuer/-innen, die den Preisträgerinnen und Preisträgern mit ihrer Expertise mit Rat und Tat zur Seite standen. Als Dank wurde allen eine kleine Aufmerksamkeit übersandt. (mz, mq).