von Ceyhun Oguz

Einsatzanlass
Im März 2020 öffnet Präsident Recep Tayyip Erdogan die Grenze zu Griechenland am BCP (Border-Crossing-Point, Grenzübergang) Kastanies/Karaagac und damit zur EU für Geflüchtete, die zuvor von den türkischen Behörden zurückgehalten wurden. Daraufhin machen sich viele geflüchtete Menschen in der Hoffnung auf eine Einreise in die EU auf den Weg zur Grenze. Es entstehen unschöne Bilder, die um die Welt gehen.

Im Rahmen der Operation „Rapid Border Intervention EVROS 2020“ unterstützten sodann ca. 100 Polizeibeamte der EU und der Schweiz dort die Einsatzmaßnahmen der Europäischen Agentur für Grenz- und Küstenschutz FRONTEX bei der Sicherung und Überwachung der griechisch-türkischen Landgrenze im Bereich Alexandroupolis. Während zurückliegend bereits ca. 160 niedersächsische Beamte in den Aufgabenfeldern Identifizierung, Registrierung und Grenzüberwachung für Frontex – insbesondere in Italien, Bulgarien und Griechenland tätig waren, war es hier das erste Mal, dass wir gemeinsam mit Kräften der Bundespolizei als geschlossene Gruppe im Rahmen des sog. „Soforteinsatzpools“ für Frontex im Einsatz waren. Mitzuführen war, wie bei geschlossenen Einsätzen üblich, die Körperschutzausstattung nebst Helm, sowie eine Gasmake, beide FEM wurden aber glücklicherweise nicht benötigt.

Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich seit Beginn der Mission überdurchschnittlich stark mit 10 Polizistinnen und Polizisten an dieser Operation, die jeweils zur Hälfte von der Bundespolizei und einer der Länderpolizeien gestellt werden. Aufgrund der föderalen Struktur unserer Republik übernimmt diese Aufgabe –auch aufgrund ihrer gesetzlichen Aufgabenzuweisung- die Bundespolizei.

Aufruf „Soforteinsatzpool“
Nach einer politischen Zustimmung durch unseren Innenminister Pistorius und der Landesregierung in Hannover fiel die Wahl des Bundes dann für die Periode Juli 2020 auf das Land Niedersachsen. Die Bundesländer werden im im monatlichen Rotationsverfahren herausgelöst. Unser Bundesland entsandte mich und vier weitere Kolleginnen und Kollegen vom 05.07.2020 bis zum 07.08.2020 zu dieser Mission nach Griechenland. Etwa sieben Tage vor der Ausreise klingelte mein Telefon, die Koordinierungsstelle Ausland (angesiedelt bei der ZPD Niedersachsen) rief den „Soforteinsatzpool“ auf. Dieser besteht aus Beamten, die flexibel und lageangepasst für die Grenzschutzagentur Frontex eingesetzt werden können und über entsprechende Einsatzerfahrung aus früheren Einsätzen verfügen.

Mit dem Aufruf begannen die Vorbereitungen für den Einsatz in Griechenland. Zunächst wurden fünf einsatzwillige Mitarbeitende gesucht, anschließend musste die Bundespolizei und die Grenzschutzagentur Frontex, die ihren Sitz in Warschau hat, die Mission bestätigen. Gleichzeitig mussten alle Angelegenheiten an der PA geregelt werden, ein Covid-19 – Test bestanden werden und die aktuellen Einreiseregeln nach Griechenland erfüllt werden.

Die Mission beginnt…
Als es dann losgehen konnte, ging es für mich mit dem Zug nach München, wo wir gemeinsam im Hotel auf den Abflug am 5.Juli nach Thessaloniki warteten. Nach der glücklichen Landung in Griechenland fuhren wir zu unserem Hotel in Alexandropolis, eine Hafenstadt an der Ägäis. Dieser Ort sollte für die nächsten fünf Wochen also meine Heimat sein. Direkt am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zum Briefing nach Orestiada. Dort wurden wir in die Mission eingewiesen. Wichtige Inhalte wie Menschenrechte, das Asylverfahren in Griechenland, aber auch die Voraussetzungen eines Schusswaffengebrauches wurden intensiv besprochen und erläutert.

Arbeitsablauf
Wir arbeiteten in einem Früh – Spät – Nacht – Schichtmodell mit zwei freien Tagen nach der Nachtschicht. Unser Zug bestand aus den zehn deutschen Einsatzkräften und Kolleginnen und Kollegen aus Österreich und der Schweiz. Hauptaufgabe war und ist die Sicherung der Grenze zur Türkei und das Verhindern einer illegalen Einreise durch illegale Grenzübertritte. Hierzu wurde der Zug entlang des Zaunes „postiert“, pro Team (2 Beamte) wurde ein Funkstreifenwagen zur Verfügung gestellt. Ferner wurde die Wassergrenze am Grenzfluss Evros durch uns bestreift. Der Einsatz verlief arbeitsteilig, wir unterstützen die griechischen Kräfte der Polizei und des Militärs lageangepasst und meldeten Aufgriffe von Migranten an die örtlich zuständigen Kollegen weiter.

Durch unseren Zugführer wurde ich zum Führungsassistenten auserkoren. Das bedeutete für mich Statistiken führen, Meldungen verfassen und absetzen, sowie die Koordination unseres Zuges und der Austausch mit den lokalen Kräften.

 Ausblick für mich
Die Wochen in Griechenland haben mich in meinem Wunsch bestätigt auch wieder in einen (gegebenenfalls auch längeren) Auslandseinsatz zu gehen. Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichen Staaten ist spannend und ich muss auch sagen, dass sich mein Horizont durch diese Einsätze erweitert hat. Der Blick über den symbolischen „Tellerrand“ hilft schätzen zu lernen, dass wir hier in Deutschland leben und arbeiten, aber auch das Verständnis für andere Lebensentwürfe und Kulturen zu entwickeln und im polizeilichen Rahmen anzuwenden.

 

Zu guter Letzt… Ein Dankschreiben der Bundespolizei

“Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchte ich mich für den engagierten und professionellen Einsatz der Kollegen aus Niedersachsen bedanken. Ich bin bei dem Rapid Einsatz in Griechenland als Koordinierungsbeamter vor Ort (KvO) eingesetzt.Die Zusammenarbeit mit Ihren Kollegen war zu jedem Zeitpunkt des Einsatzes von hoher Zuverlässigkeit und Loyalität geprägt. Trotz der zum Teil schwierigen Bedingungen vor Ort ( Arbeitsbedingungen, Klima usw.) konnte ich mich immer auf die Kollegen verlassen. Dieser Umstand ist leider nicht immer selbstverständlich und veranlasst mich deshalb zu diesem Dankschreiben.
Hervorheben möchte ich hierbei den Kollegen OGUZ, der mir als Führungsgehilfe mit Rat und Tat zur Seite stand.

Es würde mich freuen, wieder so engagierte Kollegen aus Niedersachsen, in meinem Team begrüßen zu dürfen!

Mit freundlichen Grüßen

Martin Brink
z.Zt. KvO RBI Evros 2020 Griechenland”