Im Anschluss an den erfolgreichen Abschluss unseres Studiums an der Polizeiakademie Niedersachsen absolvierten wir im Rahmen des Erasmus-Programms von April bis Mai 2026 einen Austausch bei der Polizei in Brüssel. Ziel des Aufenthalts war es, die Polizeiarbeit in einem anderen europäischen Land kennenzulernen und internationale Erfahrungen zu sammeln. Der Austausch gliederte sich in drei Bereiche: einen Monat im Streifendienst des Brüsseler Stadtzentrums, eine Woche bei der Nachbarschaftspolizei sowie drei Wochen bei der Bereitschaftspolizei INT.
Bereits zu Beginn wurden wir herzlich empfangen und erhielten eine Einführung in die Struktur der belgischen Polizei. Zudem besuchten wir ein modernes Trainingszentrum, in dem wir Einblicke in die Aus- und Fortbildung der belgischen Polizeikräfte gewinnen konnten. Während des gesamten Aufenthalts wurden wir offen aufgenommen und aktiv in den Dienstalltag eingebunden.
Den größten Teil unserer Zeit verbrachten wir im Streifendienst im Zentrum von Brüssel. Besonders auffällig waren das hohe Einsatzaufkommen und die große Internationalität der Stadt. Die Vielzahl unterschiedlicher Nationalitäten und Sprachen machte die Polizeiarbeit abwechslungsreich, stellte die Einsatzkräfte jedoch regelmäßig vor kommunikative Herausforderungen. Eindrucksvoll waren zudem die deutlichen sozialen Gegensätze innerhalb der Stadt. In einigen Stadtteilen kam es regelmäßig zu schweren Straftaten, darunter auch Schießereien mit Bezug zur organisierten Kriminalität. Dies führte zu erhöhten Anforderungen an die Eigensicherung der Polizeikräfte und machte teilweise den Einsatz zusätzlicher Schutzausstattung erforderlich.
Die Woche bei der Nachbarschaftspolizei bot einen deutlichen Kontrast zum Streifendienst. Der Fokus lag stärker auf Bürgernähe, Prävention und dem direkten Kontakt zur Bevölkerung. Darüber hinaus lernten wir Aufgaben kennen, die in Belgien von der Polizei übernommen werden, in Deutschland jedoch anderen Behörden obliegen, beispielsweise die Überprüfung von Wohnsitzanmeldungen.
Während der letzten drei Wochen begleiteten wir die Bereitschaftspolizei INT. Zu den Höhepunkten gehörten die Absicherung des Christopher Street Day in Brüssel sowie die Begleitung eines Fußballspiels, bei dem es zu erheblichen Ausschreitungen durch Hooligans kam. Besonders interessant war zudem die Mitfahrt bei der Fahrradstaffel der Bereitschaftspolizei, die als schnelle Interventionseinheit im Innenstadtbereich eingesetzt wird.
Während des gesamten Aufenthalts konnten wir uns aktiv einbringen. So unterstützten wir die belgischen Kolleginnen und Kollegen unter anderem durch unsere Sprachkenntnisse bei der Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern. Dadurch waren wir nicht nur Beobachter, sondern konnten einen eigenen Beitrag zur täglichen Polizeiarbeit leisten.
Der Austausch ermöglichte zudem einen direkten Vergleich zwischen den Polizeisystemen Deutschlands und Belgiens. Unterschiede zeigten sich insbesondere in der Dauer der Ausbildung, im Führungsverständnis sowie in den Arbeitsabläufen. Positiv fiel die finanzielle Förderung von Fremdsprachenkenntnissen auf, die den besonderen Anforderungen einer internationalen Stadt wie Brüssel Rechnung trägt.
Neben den dienstlichen Erfahrungen nutzten wir unsere Freizeit, um Belgien und weitere europäische Städte kennenzulernen. Besonders in Erinnerung bleiben neben den Reisen auch die Teilnahme an einer politischen Diskussionsveranstaltung sowie die Besichtigung der Deutschen Botschaft in Brüssel.
Insgesamt stellte der Erasmus-Aufenthalt eine äußerst bereichernde Erfahrung dar. Die abwechslungsreichen Einsätze, die aktive Einbindung in den Polizeialltag sowie die große Offenheit der belgischen Kolleginnen und Kollegen ermöglichten wertvolle fachliche und persönliche Erfahrungen, die uns nachhaltig in Erinnerung bleiben werden.
von Nadia Neumann & Johannes Düerkop













