150 Meter von der russischen Landesgrenze entfernt beende ich bei Minusgraden mein zweimonatiges Erasmus-Praktikum in Estland. Während in Deutschland zum Teil noch 15 °C herrschen, patrouilliere ich im November mit drei Kleidungsschichten unter der Uniform gemeinsam mit den estnischen Kollegen der Border Patrol durch den Schnee in Narva, den Blick stets auf die russische Grenze gerichtet. Die angespannte politische Lage ist spürbar.

Ganz andere Eindrücke sammelte ich im Streifendienst, den ich zwei Wochen lang in der Hauptstadt Tallinn begleiten durfte. Dort bestimmen Betäubungsmittel, Alkohol und häusliche Gewalt den Alltag. Kein Tag vergeht, an dem wir nicht mindestens eine intoxikierte Person von der Straße aufsammeln und in das „Sober House“ verbringen. Eine große Erleichterung stellt dabei das im Streifenwagen festinstallierte Einsatz-Tablet „Apollo“ dar. Auf einer landesweiten Karte werden jederzeit alle Einsätze, verfügbaren Kräfte und Points of Interest angezeigt. Im Großen und Ganzen wird etwa 85 % der Schreibarbeit direkt am Tablet im Streifenwagen erledigt.

Weitere wertvolle Einblicke erhalte ich an jeweils mehrtägigen Aufenthalten bei der Traffic Police, den Ermittlern der Proceedings Division sowie den Local Officers (vergleichbar mit unseren Kontaktbeamten). Darüber hinaus hatte ich Gelegenheit, mich mit der K9-Hundestaffel, den Rapid Responders, der Border Guard am Flughafen und der Helikopterstaffel auszutauschen bzw. die jeweiligen Standorte zu besichtigen.

Alles in allem konnte ich nicht nur fachliche Erfahrungen sammeln, sondern hatte auch die Möglichkeit, die estnische Kultur kennenzulernen und europäische Zusammenarbeit im Polizeibereich hautnah zu erleben. Ich freue mich darauf, die gewonnenen Eindrücke und Erkenntnisse künftig in meine Arbeit einfließen zu lassen.

von Lisa Blödorn

Vorheriger Beitrag

2. Platz für PA-Studierende beim 33. Mündener Altstadtlauf

Nächster Beitrag

Blaulicht-Party voller Erfolg