Am Tag nach meiner Ernennung begann mein Flug nach Lissabon. Meine Hospitation fand bei der Polícia de Segurança Pública (PSP) statt und dauerte vom 01.10. bis zum 30.11.2025. Die ersten drei Tage verbrachte ich an der Polizeiuniversität für Führungskräfte: Vorstellung von Aufbau und Organisation der PSP, ein grober Ablaufplan für die zwei Monate, Besuch des Polizeimuseums und Gespräche mit der Akademieleitung. Die erste Woche war ich dann zunächst auf der 18. Dienststelle in Campo Grande eingesetzt, wo man mir das Hauptquartier, die Leitstelle und das Rapid-Intervention-Team zeigte und ich im normalen
Streifendienst mitlief.
Die zweite Woche verbrachte ich vollständig bei der Einheit „Corpo de Intervenção“ in Belém. Die Einheit ordne ich zwischen unserer Beweis- und Festnahmeeinheit (BFE) und dem SEK ein. Sie gilt als Spezialeinheit, übernimmt jedoch eher die Aufgaben einer BFE. Der Alltag hier besteht hauptsächlich aus Fortbildung, sodass ich an Boxeinheiten, AZT-Trainings und als Schauspieler an einer LEBEL-Fortbildung teilnehmen konnte. Zudem habe ich mit der Einheit das Länderspiel Portugal gegen Ungarn begleitet.

Im weiteren Verlauf war ich grundsätzlich im Streifendienst der 18. und 14. Dienststelle (Chelas) eingesetzt. Sobald es jedoch interessante oder besondere Einsatzlagen in Lissabon gab, wurde ich zu diesen geschickt. So durfte ich zwei Fußball-Champions-League-Spiele begleiten, eines davon sogar unter Beteiligung des deutschen Teams „Bayer Leverkusen“, sowie das Volleyball-Derby zwischen Benfica und Sporting Lissabon und das Handball Champions-League-Spiel zwischen Sporting Lissabon und den Füchsen Berlin. Zudem war ich beim Web Summit, einer Technologiemesse mit 70.000 Besuchern sowie einer Demonstration mit rund 40.000 Teilnehmenden im Einsatz. Weiterhin habe ich an einer Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit Schusswaffen sowie an einer Observation eines „Drogencafés“ teilgenommen. Drei Schichten habe ich mit einem Mannschaftswagen verbracht, der mit der Verfügungseinheit zu vergleichen ist und seinen Schwerpunkt auf die Drogenkriminalität ausgerichtet hat. Für einen Tag war ich bei der Verkehrspolizei, wo wir mit einem automatisierten Kennzeichenabfragesystem gestohlene Autos gesucht haben.
Zudem habe ich die nationale Sicherheitsmesse „Securex“, die Diensthundeführer, die Delaborierer sowie die Polizeiakademie besucht. Somit habe ich im Endeffekt nur wenige Tage tatsächlich im Streifendienst verbracht, da die Portugiesen mir mit größter Motivation alle Bereiche der PSP gezeigt haben.

Durch den Aufenthalt konnte ich insbesondere eine Polizei kennenlernen, die sich in einigen Punkten stark von unserer Polizei in Niedersachsen unterscheidet. Insbesondere wenn es um Ausbildung, Ausstattung und die finanzielle Situation geht, unterliegt die portugiesische Polizei einem starken Sparkurs und muss an vielen Stellen improvisieren. Sie tragen z.B. normalerweise keine Schutzwesten und müssen sehr alte Fahrzeuge nutzen. Zudem dauert die Ausbildung nur neun Monate. Für mich persönlich war die Zeit in Lissabon trotzdem überragend.

Der Aufenthalt war sehr lehrreich, extrem abwechslungsreich und man wurde überall herzlich aufgenommen. Sollte sich jemand tiefergehend für meine Erfahrung interessieren, stehe ich per E-Mail für Rückfragen gerne bereit. Ich danke dem Förderverein
der Polizeiakademie an dieser Stelle sehr für die Unterstützung.

von Johannes Witte

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